i am [not] giselle

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Premiere03.11.2023, Theater im Pavillon Hannover
Künstlerische Leitung / ChoreographieMónica García Vicente
TänzerinnenCamilla Matteucci, Laura García Aguilera, Zweitbesetzung: Bettina Paletta
cdc-TänzerinnenEmma Hesse, Laura Schepers
KompositionMaewen Forest
StimmeSimi
DramaturgieChristina Rohwetter
Licht-Design / SzenographieKristina Schmidt
KostümLuzie Nehls-Neuhaus
Künstlerische ProduktionsleitungRat & Tat Kulturbüro
PresseHanna Ehlers
Social Media / VideoLaura Nicole Viganó
GraphikMaïté Müller
FotosPeter Hoffmann-Schoenborn
RegieassistenzCarolin Chantal Schaefer
gefördert durchLANDESHAUPTSTADT HANNOVER KULTURBÜRO, STIFTUNG NIEDERSACHSEN, Sparkasse Hildesheim Goslar Peine, Stiftung Edelhof Ricklingen – V. J. V. der Osten, Ballettgesellschaft Hannover e.V.

    „Giselle gilt als Meisterwerk des klassischen Balletts. Entstanden in der Epoche der Frühromantik gehört es heute immer noch zum Repertoire. Wie in anderen Balletten dieser Zeit erscheint die titelgebende weibliche Figur, in die sich der männliche, nicht standesgemäße Protagonist verliebt, als geschlechtsloses, tugendhaftes, unschuldiges und abhängiges Wesen. Dieses Bild entspricht freilich eher den zeitgenössischen Männerfantasien und patriarchalen Weiblichkeitsidealen als den Lebenswirklichkeiten der Frauen und Tänzerinnen im 19. Jahrhundert.

    „I am [not] Giselle“ ist ein choreografisches Experiment auf der Suche nach der realen Frau im romantischen und zeitgenössischen Ballett. Die beiden Tänzerinnen verkörpern dabei die vielschichtigen und widersprüchlichen Aspekte von Frausein und Weiblichkeit: auf, hinter und jenseits der Bühne. Sie erforschen eigene und auf sie projizierte Sehnsüchte und Leidenschaften, Zustände von Abhängigkeit und Autonomie, den eigenen Körper als voyeuristisches Schauobjekt und Subjekt der weiblichen Lust. Choreographie, musikalische Komposition, Kostüm und Szenographie erschaffen eine Ästhetik und ausdrucksstarke Formsprache der Selbsterforschung, nicht zuletzt um Giselle als realer, komplexer Frau eine Bühne zu geben.

Trailer

ich kratze an der oberfläche des ballet blanc, trage schicht um schicht ab, um den realen frauen in ihren diversitäten eine bühne zu geben.

ich kratze an der oberfläche
des ballet blanc,
trage schicht um schicht ab,
um den realen frauen
in ihren diversitäten
eine bühne zu geben.

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Mónica García Vicente

Pressestimme: DEWEZET – 25.05.2024

Der Tanz selbst mit „I am [not] Giselle“

„HAMELN. Premiere, Uraufführung und das Modellprojekt ‚SPOTTED‘ am Donnerstagabend im Theater auf der Bühne (TAB) so eigenwillig wie furios mit ‚I am [not] Giselle‘ gestartet.

‚Die Wilis‘ – dieses fantastische Ballett längst vergangener Tanz-Tage radikal verändert und das so überbordend Romantische an vertrauten Realitäten gemessen. Not Giselle. Zwei Frauen – ganz nah am Publikum. Geräuschkulisse – Bahnhofssound. Metapher für Nähe und Ferne. Und ‚Giselle‘, diese rührende Liebesgeschichte des klassischen Balletts reduziert auf Tanz. Bewegung und Tanz selbst als Ausdrucksform.

Befindlichkeiten und die Lust am Ausprobieren, Wirkungen, Posen. Sich und den eigenen Körper erfahren. Zwei Frauen im Spiel mit sich selbst versunken. Begegnungen. Schauobjekte – Rollenspiele und private Momente. Außensicht und Innenschau. Was die Choreografie von Mónica García Vicente so spannend macht: Die Tanzleidenschaft und Fantasie, mit der hier neue Ausdrucksformen gesucht werden. Der Spagat zwischen Rolle und Frau sein und die Rolle der Frau immer neu gespiegelt, auch gegen alte Rollenbilder. Und sie lassen sich Zeit – geben sich Zeit. Entwickeln, Bewegungen, ruhig fließend, die immer wieder übergangslos in einer Art verzweifeltem Veitstanz münden.

Spiel mit wenigen Requisiten. Zwei Matten – die als Wasserwand ‚bis zum Hals stehen‘ –, die beiden Frauen überspülen, wegspülen. Zu einer einzigen werden lassen im Austausch. Sich vertauschen. Grandios das Spiel mit dem gewaltigen Schleier-Zitat aus dem Reich der Wilis mit Myrtha und ihrem wehenden Gewand und Regen als eigenwilliger Sound. Und der Schleier als überdimensionales Handtuch. So rührend wie hilflos dieses Abtrocknen als so andere Form der Sozialisation. Gleichermaßen fremd und vertraut. Fast so etwas wie ein Happy End – ganz nah, die beiden so solitären Figuren, die zu einer Einheit verschmelzen.

Für Laura García Aguilera musste kurzfristig Bettina Paletta einspringen, expressiver in ihren Bewegungen als Camilla Matteucci, die immer wieder mit spontanen Soli überrascht, scheinbar leichter auch, wenn sie sich im Applaus sonnt. Ein bisschen Kain und Abel assoziiert. Lichtgestalt die eine, die sich immer auch als Schauobjekt inszeniert – die andere, die mit sich kämpft.
Beeeindruckende Leistungen von beiden – getragen von einer Choreografie, die sich fantasievoll verspielt, nichts wirklich will. Bis auf eines: den Tanz selbst.“ von Richard Peter

tanzsichten

    Beim Open-Stage-Format von TanzSichten in der Kunsthalle Faust/Hannover haben wir ein Stück aus ,,I am [not] Giselle“ gezeigt. Laura konnte an dem Tag aufgrund einer Verletzung nicht auftreten und so hat Camilla ,,mit“ dem an die Wand projizierten Video der Performance ihren Part getanzt.